Der Umstädter Museums- und Geschichtsverein lädt sehr herzlich zu seinem 3. Vortragsabend im Winterhalbjahr 2025/26 ein. Zu Gast und am Mikrofon im „Kuhstall“ des Gruberhofes ist am Do., 22. Januar um 19 Uhr, Adrian Oeser, freier Journalist und Filmemacher aus Frankfurt am Main.

Ist die NS-Vergangenheit der eigenen Familie eigentlich wichtig? – fragt sich Oeser in seiner Dokumentation: „War mein Uropa ein Nazi?“

Seine Antwort: „Ja! – Aber warum weiß ich eigentlich nicht was er genau gemacht hat? Und warum soll das überhaupt wichtig sein?“ Um das herauszufinden, begab er sich auf Spurensuche in seiner Familie, in Archiven, in der deutschen Nachkriegsgeschichte. Zwei Drittel der Deutschen denken, dass ihre Vorfahren keine Nazis waren. Und auch diejenigen, die wissen, dass sie Nazis in der Familie hatten, kennen meist keine Fakten.

Die offizielle Erinnerungskultur wird seit Jahrzehnten gepflegt: mit Mahnmalen, Gedenkveranstaltungen, Jahrestagen. Doch die eigene Geschichte ist in vielen deutschen Familien immer noch ein Tabu, mit Tätern und Tatbeteiligten will niemand verwandt sein. Adrian Oeser weiß, dass sein Urgroßvater in der SS war. Für den Film wollte er herausfinden, was genau passiert ist und so tauchte er ein in die NS-Biografie seines Urgroßvaters und in eine Nachkriegsgeschichte, die zeigt, dass die Aufarbeitung des Nationalsozialismus noch lange nicht abgeschlossen ist.

Zu Oesers Arbeitsschwerpunkten gehören vor allem gesellschaftliche, historische und kulturelle Themen; er arbeitet gerne investigativ und versucht Dinge zu erzählen, die bisher öffentlich nicht bekannt waren. Filme über Menschen mit ihren individuellen Geschichten liegen ihm besonders am Herzen. Insbesondere in Groß-Umstadt ist er bekannt durch die 2024 veröffentlichte Dokumentation „Der erste Portugiese“. Darin erzählt er anlässlich des 60. Jahrestages des deutsch-portugiesischen Anwerbeabkommens im Jahr 1964 die Geschichte der portugiesischen Arbeitsmigranten in Groß-Umstadt – eine Geschichte vom Fortgehen, vom Ankommen, vom Bleiben.

Der Film „War mein Uropa ein Nazi?“ dauert 32 Minuten. Für den Autor ist aber „der Austausch mit dem Publikum einer der schönsten Aspekte des Filmemachens.“ So freue er sich immer, seine Filme im Rahmen von öffentlichen Vorführungen zu zeigen und zu diskutieren. – Viele gute Gründe, dabei zu sein …

Um 19 Uhr geht’s los, der Umstädter Museums- und Geschichtsverein weist ausdrücklich darauf hin und bittet um Verständnis, dass der Raum max. 50 Plätze bietet und bei großer Nachfrage nicht alle Interessenten eingelassen werden können. Eintritt wird nicht erhoben, freiwillige Spenden sind gerne willkommen.