Groß-Umstadt rühmt sich seines historischen Stadtbildes, seiner sehenswerten Gebäude und der Kulturgeschichte, die heute noch beim Stadtrundgang entweder imposant oder nur angedeutet im Détail zu entdecken sind. Achten Sie mal einfach auf die schmucken Häuser und den Häuserschmuck: Wie ist das entstanden? Warum sieht das so aus, wie es aussieht? Wer hat dort gelebt und gewirkt?

Der Umstädter Museumsverein arbeitet seit vielen Jahren mit dem historischen Stadtarchiv zusammen, und zahlreiche Mitglieder haben sich sehr intensiv mit der Umstädter Geschichte befasst und viele Schätze gehoben. Die sind nachzulesen in der Buchreihe „autmundisstat – Beiträge zur Geschichte“ (autmundisstat war mal der Name für Umstadt).

In der jüngsten Ausgabe erzählen wir, wie ein Zugereister, ein „Flouker“, seine Umstädter Wurzeln finde, was es mit der „Straßenspinne“ im Stadtwald auf sich hat, wie die Stadtbefestigung im 30-jährigen Krieg aussah, wie sich die Bismarckstraße zur Carlo-Mierendoff-Straße entwickelt hat, wo man „Verwehte Spuren“ des jüdischen Umstadts findet und welche Geschichte das Max-Planck-Gymnasium hat.

Folgen wir zum Beispiel Georg Brenner in den Umstädter Stadtwald: „Beinahe jeder Umstädter kennt die Stelle zwischen Rödelshäuschen und Parkplatz Zinshecke, wo 5 Wege in einem Straßenkreuz zusammenkommen – ein im Wald ungewöhnliches Bild. Die Kreuzung liegt am Klotzenberg, dort wo früher der Dorndieler Pflanzgarten war und ihm gegenüber die „Jägerbuche“ stand.

Jägerbuche mit dem OWK Groß-Umstadt um 1923

Hier begegnete und begegnet man ungezählten Wanderern, Ausflüglern, Nordic-Walkern, Radfahrern, Wallfahrern, gelegentlich auch Pferdekutschen und vielen anderen mehr, die diesen Waldbereich beleben und erleben. Das ist schon zur Römerzeit und auch in der Vorzeit so gewesen, denn seit über 2000 Jahren treffen sich an dieser Stelle alte Handels- und sogenannte ´Hohe Straßen´.

Vielleicht wären wir vor 650 Jahren, am Sonntag, 26. September 1367, an dem Wegkreuz der Altstraßen einer Gruppe von Mönchen begegnet. Denn an diesem Tag kamen sie vom Main und hatten in Mömlingen genächtigt. Zusammen mit ihrem Abt Altman vom Kloster Niederalteich passierten sie Umstadt und zogen weiter auf römischen „Hohen Straßen“ nach Ginsheim/Mainz. Von hier aus fuhren sie mit dem Schiff flussabwärts bis Köln. Und wieder waren sie auf ihre Füße angewiesen, bis sie Cambrai im Hennegau, heute Nordfrankreich, erreichten. Vier Wochen später kamen sie auf ihrer Rückreise wieder in unsere Stadt, verbrachten die Nacht wohl im Pfarrhof gegenüber der Stadtkirche. Das Wegstück nach Mömlingen und bis zum Main kannten sie schon …“

Dieser Band mit 170 Seiten – und alle zuvor erschienenen Bücher mit Umstädter Geschichte(n) – ist zum Preis von 16,50 € in der Umstädter Bücherkiste, im UmStadtBüro und HIER im Online-Shop erhältlich.

Zur Mitgliederversammlung am Freitag, dem 1. Oktober, waren 21 von 192 Mitgliedern gekommen, knapp 11 %. Etwas mehr als eine Stunde gab es Berichte, Neuwahlen und Ausblicke sowie viel Anerkennung und Applaus für das große Engagement der gewählten Vertreterinnen und Vertreter und besonders der vielen aktiven Helferinnen und Helfer, die trotz der Pandemie und der damit verbundenen Einschränkungen den Gruberhof am Leben gehalten haben.

Nach der allgemeinen Begrüßung in der großen Scheune, der „Kuhstall“ war wegen der geltenden Abstandsregeln zu klein, gab der Vorstand seinen Rechenschaftsbericht ab, den er mit lobenden Worten und großer Anerkennung für das, was „viele Mitglieder an Ideen, Energie und praktischer Hilfe eingebracht haben“ einleitete.

2020 schien, so der Rückblick, sowohl im ideellen Teil (Museum) wie im wirtschaftlichen Teil (Veranstaltungen, Bewirtung) wieder ein erfolgreiches Jahr zu werden. Zwei Vorträge der Umstädter Runde und das beliebte Heringsessen am Aschermittwoch konnten bereits bis Februar durchgeführt werden – und dann kam der Lock-Down. Alle großen Gastveranstaltungen rund um die Städtepartnerschaften, Feste anderer Vereine und politischer Parteien mussten ebenso wie die beliebten vereinseigenen Veranstaltungen zwischen der Saisoneröffnung an Ostern bis zum Adventsmarkt am 2. Dezemberwochenende abgesagt werden. Auch 2021 wurde es nicht besser, und so entschloss sich der Vorstand, auch für dieses Jahr alle Veranstaltungen abzusagen.

Im Stillen ging aber die Arbeit weiter. Der Vorstand und die Umstädter Runde tagten seit März 2020 regelmäßig online. Trotz erschwerter Arbeitsbedingungen wurde als neues Buch der Umstadt-Reihe der Sonderband über den Umstädter Architekten Bickelhaupt herausgegeben. Auch einige der geplanten baulichen und museumsbezogenen Projekte wurden trotz aller personellen Einschränkungen umgesetzt. So fand der Grabstein Hermann Bickelhaupts seinen Platz im Gruberhof, über der großen Scheune entstand ein neuer Ausstellungsbereich von 150 Quadratmetern, die Ausstellungen im Wohnhaus wurden aktualisiert und bereinigt, und auch der Bauerngarten wurde wieder auf Vordermann gebracht.

Nicht minder erfreulich war und ist die Entwicklung nach Innen: Fast alle Mitglieder hielten dem Verein die Treue, und die Mitgliederzahl ist mit 192 stabil.

Der langjährige Kassenwart Volker Stenger stellte dann die Umsatzzahlen des letzten Geschäftsjahres vor. Alles in allem hat der Verein hervorragend gewirtschaftet und ein erfreuliches Plus in den Büchern, das für die weitere Entwicklung im und rund um den Museumsbetrieb aber auch schon verplant ist. Die Kassenprüfer bescheinigten dem „Rechner“ eine einwandfrei aufgestellte und sehr gut nachvollziehbare Buchführung. Nach den Berichten und der Aussprache dazu wurde der Vorstand einstimmig entlastet.

Einen längeren Zeitraum nahmen dann die Neuwahlen für den Vorstand ein, zum ersten Mal seit der Änderung der Organisationsstruktur im Jahre 2017. Der geschäftsführende Vorstand – einstimmig gewählt – setzt sich nun zusammen aus:

  • 1. Vorsitzender: Reiner Michaelis
  • 2. Vorsitzender: Reiner Schütz
  • Kassierer: Volker Stenger
  • Schriftführer: Arnold Straub

Auch die Wahl der beiden Kassenprüfer ging reibungslos über die Bühne. Wolfgang Achtmann, der das Amt vom verstorbenen Bernd Diehl kommissarisch übernommen hatte, wurde für ein weiteres Jahr bestätigt und wird gemeinsam mit der neu gewählten Kassenprüferin Ingrid Grubmüller auf die Geldflüsse der Vereinskasse achten.

Der neugewählte Vorstand. Von Links: Kassierer Volker Stenger, 2. Vorsitzender Reiner Schütz, 1. Vorsitzender Reiner Michaelis und Schriftführer Arnold Straub.

Mit einem Ausblick ging die sachliche und durchaus kurzweilige Vollversammlung zu Ende. In diesem und im nächsten Jahr, kündigte Reiner Michaelis an, werde weiter an der Entwicklung und Erweiterung des Museums gearbeitet. Selbstverständlich werden die beliebten Veranstaltungen wieder eingeplant, inwieweit diese aber durchgeführt werden können muss aber die Entwicklung der Pandemie zeigen.

Der neue 1. Vorsitzende dankte für die gelungene Mitgliederversammlung und verabschiedete alle Teilnehmerinnen und Teilnehmer in schöne Herbsttage.

Wegen der notwendigen Verordnungen und Auflagen rund um COVID 19 – das Coronavirus – und aus Verantwortung insbesondere gegenüber älteren und vorerkrankten Menschen, sehen die Verantwortlichen keine realistischen und für den Verein mach- und verantwortbaren Wege, das Museum zu öffnen. Personen reduzierte Veranstaltungen sind nicht zu steuern und zu kommunizieren, insbesondere nicht gegenüber jenen, die auch gerne dabei sein wollen aber möglicherweise abgewiesen werden müssen.

Dachausbau große Scheune

Zahlreiche Mitglieder halten den Garten und das Gelände in Ordnung, modernisieren und erweitern die Ausstellungsräume. In Vorfreude auf eine baldige Wieder-Eröffnung hat der Vorstand ein Hygiene-Konzept erarbeitet, das je nach Verordnungslage die Wiederaufnahme des Museumsbetriebes ermöglichen wird.

Von der Schließung betroffen sind die Museumssonntage zwischen Ostern und Kelterfest, Gruppenbesuche aller Art, eigene und Gastveranstaltungen, Museumsführungen und Besprechungstermine befreundeter Vereine und Gruppen.

Eine sehenswerte Ausstellung über Umstädter Persönlichkeiten ist im Kuhstall des Gruberhofes zu sehen. Im Mittelpunkt stehen dabei Künstler und Erfinder, die Bürgermeister von Johann Sebastian Heyl bis Ludwig Wedel, Unternehmer sowie viele andere bedeutende Personen. Nach einigen von ihnen sind Straßen in Groß-Umstadt benannt worden: Otto Sturmfels zum Beispiel, der zu den bekanntesten Strafverteidigern der Weimarer Zeit gehörte. Als erklärter Gegner des Nationalsozialismus übte er oft freimütig Kritik an dem Gebaren der neuen Regierung. Nach dem gescheiterten Putsch gegen Hitler am 20. Juli 1944 wurde auch Otto Sturmfels verhaftet und kam zusammen mit dem früheren Darmstädter Bürgermeister Delp und dem Semder Sozialdemokraten Heinrich Reinhard in das KZ Dachau, wo er ums Leben kam.

Mit dem Thema „Reminiszenzen an Umstädter“ ist im Kuhstall des Gruberhofs eine Dokumentation entstanden, die in dieser Form bisher noch nicht zu sehen war. Der Umstädter Museums- und Geschichtsverein hat dafür alte Fotografien wieder aufbereitet und viele Informationen strukturiert und gut lesbar an die Wände gebracht. Wer beispielsweise die Hofseite des Kuhstalls studiert, findet dort unter anderem Werke von Hartmut Pfeil, der zwischen 1944 und 1949 seine Sicht auf Groß-Umstadt festhielt, Umstädter Ansichten und Federzeichnungen von Lutz Krauß oder Holzreliefs und Schnitzkunst von Ludwig Gansler und Erhard Kulb sowie Bilder von den Hobbymalern Hans Zanus und Georg Brenner.

Ergänzt wird diese Galerie um Umstädter Persönlichkeiten wie Hanns Trippel, den Erfinder des Amphibienfahrzeuges, Dr. August Otto Föppl, hochverdienten Professor für Technik, Mechanik und grafische Statik oder auch Rosa Heinz und Karl Zibulski. Weiter gibt es Informationen über Orgelbauer Heinrich Bechstein, von dem die Orgel in der Habitzheimer Kirche stammt und die Brauereibesitzer Ganß und Eidmann sowie den Busunternehmer Fritz Heckmann mit seiner in Umstadt fast legendären Straußwirtschaft „Am Gänseweiher“. Dass Otto Frank, geboren 1865 in Groß-Umstadt, Arzt und einer der bedeutendsten Herz-Kreislauf-Physiologen war, wissen vielleicht nicht viele, ebenso wenig, dass Professor Dr. Christoph Vogel, Chemiker und Naturwissenschaftler, sich besondere Verdienste mit der Beteiligung an der geologischen Landesaufnahme erworben hat. Weit geläufiger sind den Umstädtern da schon Namen wie der des Architekten Hermann Bickelhaupt oder Wilhelm Fabricius, Bibliothekar und Historiker. Auf eine ausgedehnte Entdeckungsreise kann sich also begeben, wer die Ausstellung besucht. Diese wird auch weiterhin im Gruberhof zu sehen sein.

Beinahe jeder Umstädter kennt wohl die Federzeichnungen des Lehrers Lutz Krauß, mit denen er viele Winkel des alten Umstadt festgehalten hat. Die Stadt benannte nach ihm eine Straße.

Sie kochen und backen gerne und probieren selbst mal Omas oder gar Uromas Rezepte aus? Der Umstädter Museums- und Geschichtsverein e.V. sucht nicht nur für mittelalterliche Veranstaltungen sondern auch für seinen Fundus Rezepte von „anno dunnemals …“.

Sollten Sie richtig schöne und verlockende, durchaus auch schlichte Rezepte haben, lassen Sie sie uns zukommen, wir kopieren Sie gerne, damit Ihnen die Originale nicht verloren gehen. Es genügt ein Couvert persönlich in den Briefkasten am Gruberhof oder per Post:
Umstädter Museums- und Geschichtsverein e. V.
Raibacher Tal 22
64823 Groß-Umstadt
Bitte denken Sie an Ihren Absender und die Telefonnummer, damit wir Sie anrufen bzw. die Rezepte zurückgeben können. Wir freuen uns schon jetzt auf eine Sammlung für Genießer …